Amely-Eine Familie zu Weihnachten

Amily, zehn Jahre alt, verliert kurz vor Weihnachten bei einem Autounfall ihre Mutter, die sie alleine erzog. Darauf hin muss das Mädchen in ein Heim, in dem sie furchtbar gemobbt wird. Die kleine Eislaufprinzessin kann sich hier ihrem teuren Hobby nicht mehr widmen und eine Welt bricht für sie zusammen. Doch dann kommt der kleine Tim in die Obhut des Kinderheims und die beiden machen eine aufregende Entdeckung, die sie fest zusammenschweißt. Zusammen planen sie die Flucht, die zur kalten Jahreszeit sehr abenteuerlich wird. Amily will unbedingt nach Charlotte, denn dort wohnt die berühmte Eisläuferin Jennifer Drawdy, Amelys großes Vorbild. In ihrer kindlichen Naivität ist sich Amely sicher, dass Jennifer sie sicher adoptieren wird, würde sie erst ihre traurige Geschichte erfahren. Dort angekommen, stoßen die beiden auf so manch Familien Geheimnis!

 

Weinachtsgeschichte 2022


Leseprobe

                                                                         Prolog

 

Lisa drehte sich zu ihrer Tochter um. „Hast du die Schlittschuhe? Wir müssen uns beeilen!“ Amely nickte. Schnell verstaute sie ihr langes blondes Haar unter ihrer Mütze und schnappte sich dann die rosa Sporttasche, die vor ihr auf dem Boden stand. Ihre großen blauen Augen schauten strahlend hinüber zu ihrer Mutter. „Die letzte Probe vor dem Turnier Mom, ich bin so aufgeregt!“ Lisa, eine junge hübsche Frau Mitte dreißig, schaute ihre Tochter, die sie alleine erzog, liebevoll an. Den Stolz auf ihr Kind konnte man ihr von den Augen ablesen, welche die Farbe von Bernstein hatten. Amelys blauen Augen hatte Amely von ihrem Vater geerbt, der schon in sehr jungen Jahren verstarb. Amely war damals noch kein Jahr, als ein Polizist Lisa die Schreckensnachricht überbrachte. Das Herz ihres Ehemannes war einfach stehen geblieben. Trotz seiner jungen Jahre. Man fand ihn leblos an seinem Schreibtisch im Büro der Bank, in der er damals arbeitete Lisa war bis heute noch nicht darüber hinweggekommen und hatte nie mehr einen Mann in ihre Nähe gelassen. Amely war alles für das sie lebte. Ihr gab sie ihre ganze Liebe und bekam sie von dem Kind doppelt und dreifach zurück. Als sie mit der damals Vierjährigen ein Musical auf dem Eis besuchte, entflammte das Kind für das Schlittschuhlaufen und Lisa erfüllte ihrer Tochter gerne den Wunsch nach Unterricht. Schnell stellten sie fest, wie begabt das Mädchen im Eislauf war. Und bereits im Alter von sechs Jahren nahm Amily an ihrem ersten Turnier der Region teil und wurde Zweite. Heute, mit zehn Jahren trainierte sie für die Meisterschaften von Woolfscreek, die jedes Jahr zur Weihnachtszeit statt fanden. Endlich war sie alt genug, denn diese Meisterschaft war ab zehn Jahren. Das Mädchen hatte hart und diszipliniert an ihrer Kür gearbeitet und in ein paar Tagen war es soweit. Ihre erste große Meisterschaft! Aus ganz South Carolina kommen die besten Läuferinnen im Alter zwischen zehn und sechzehn Jahren, um den begehrten Titel zu holen. Amely hatte sich fest vorgenommen, dass sie dieses Mädchen sein wird, welches den Pokal entgegennehmen wird. Bei diesem Gedanken strahlte das Kind über das ganze Gesicht. Lisa zwackte ihr liebevoll in die Wange und sprach: „Ich gönne es dir von Herzen mein Kind! Aber nun komm bitte, „ermahnte sie ihre aufgeregte Tochter du weißt Madame Perrida wartet nicht gerne!“

Lisa schloss nun die Türe hinter sich ab und sie liefen zum Aufzug. Amily drückte auf den Pfeil nach unten. Sie lebte hier in diesem Mietshaus mit ihrer Mutter in einer kleinen, aber sehr gemütlichen Dreizimmer Wohnung. Es war ein ruhiges, ordentliches Viertel hier in Woolfscreek, das war damals bei der Wohnungswahl sehr wichtig für Lisa gewesen, die selber aus Chicago kam und in weniger guten sozialen Verhältnissen aufgewachsen war. Das wollte sie ihrer eigenen Tochter ersparen. Auch wenn Lisa eine gute Witwenrente hatte, ging sie hart arbeiten um ihnen beiden ein angenehmes Leben ermöglichen zu können. Amelys Hobby war nicht gerade billig und die Wohnung in dieser guten Wohngegend auch nicht. Nun, sie kamen zurecht und hatten ja sich beide, und sie hielten zusammen wie Pech und Schwefel. Denn Verwandtschaft gab es keine mehr. Lisas Eltern sind beide verstorben und ihr kleiner Bruder erlag sehr früh einer schweren Krankheit. Lisa löste sich nun von ihren Gedanken und sah ihre Tochter an, die an der silbernen Fahrstuhlwand lehnte. Wie hübsch das Kind doch war, dachte sie voller Stolz. Rot der Mantel, sowie auch die Mütze, unter der Amely langes blondes Haar trug. Meerblaue Augen blickten verträumt über dem wohl geschwungenen Näschen in die Gegend. Als Amely Lisas Blick wahr nahm, lächelte sie. Lisa erwiderte ihr Lächeln. „Was hältst du davon, mein Schatz, wenn wir nach der Probe zusammen einen Weihnachtsbaum kaufen gehen?“ Amely jubelte erfreut, sie mochte die künstlichen Tannen nicht, sie liebte den Duft der echten Bäume. „Oh ja, Mom,“ rief sie, „das machen wir!“ Dass sie diesen Baum jedoch niemals zusammen schmücken würden, davon ahnte ihn diesem Moment keiner von beiden etwas. Und doch nahm das Schicksal seinen Lauf.

 

 

 

„So, Amely, das wars für heute. Der Loop war exzellent mein Kind!″ Madame Perrida lächelte Amely an, die nun erfreut die Eisbahn verließ. Sie war so aufgeregt! „Endlich bin ich zehn, Madame Perrida!″ lächelte sie ihre Trainerin an, während sie auf der Holzbank saß und ihre Schlittschuhe auszog. Madame Perrida reichte Amely ihren Rucksack und diese verstaute schnell ihre Schlittschuhe darin und zog ihre Stiefel an. Mom würde sicher gleich da sein, um sie abzuholen. Und dann würden sie den Weihnachtsbaum kaufen gehen! Madame Perrida, eine kleine, dunkelhaarige Frau sah stolz zu ihrer Schülerin. „Ja, mein Kind, endlich bist du zehn und kannst teilnehmen. Und ich sehe große Chancen für dich!″ „Ja, die sehe ich auch, Madame Perrida!″ erklang auf einmal eine Stimme von hinten. „Mom!″ Freudig sprang Amily auf und umarmte ihre Mutter Fest umklammerten ihre Arme Lisa, sie hob den Kopf und sah ihre Mutter mit strahlenden Augen an .„Und jetzt, gehen wir den Baum kaufen!″ Lisa lachte und löste sich zärtlich aus Amelys Umklammerung. „Ja, mein Schatz, das machen wir!” 

Schnell verabschiedeten sie sich von Madame Perrida, denn Lisa hatte es eilig, da sie im Halteverbot stand. Am Auto angekommen, öffnete Lisa die Türen und schnell ließen sie sich auf die Sitze fallen. Amely rieb ihre Handflächen aneinander: “Brr..ist das kalt!“ Lisa drehte die Heizung an und lächelte zu ihr hinüber. ”Gleich wird es dir warm, mein Schatz!”

Schnell waren sie am Marktplatz angelangt. Dort verkaufte Joe jedes Jahr seine Weihnachtsbäume. Zur dieser Zeit standen rings um den Marktplatz viele kleine, bunt beleuchteten Holzhütten, in denen Allerlei verkauft wurde. Angefangen von Weihnacht-Deko, bis hin zu lecker dufteten Zimtwaffeln. Sie hatten nicht oft Schnee in South Carolina, aber es wurde auch hier im Winter ziemlich kalt. Fasziniert beobachtete Amely ihren, in der Kälte sichtbar gewordenen Atem. “Schau mal, Mom, ich rauche.“ lachte sie ihrer Mutter zu. Lisa lachte zurück und zeigte auf eine kleine Tanne. “Wie findest du diese?“ Amely ging um die etwa 1,60 große Tanne herum und inspizierte sie ausgiebig. Das Grün war kräftig, der Wuchs gerade und die Äste schön dicht. Geschmückt würde sie bestimmt etwas ganz Besonderes sein. “Die nehmen wir!” nickte sie ihrer Mutter zu. Diese winkte Joe heran, der den Baum in ein Netz verstaute und Lisa anbot, die Tanne schnell zu ihrem Auto zu tragen. Lisa nahm dankend an. “ Das wäre lieb von dir, danke Joe!”



Als sie später auf dem Heimweg waren, musste Amely wieder an das Turnier denken. Sie wollte ihre Mom stolz machen und einen super Lauf hinlegen. Die Medaille sollte ein Weihnachtsgeschenk für ihre Mutter werden. Nachdenklich sah sie zu Lisa hin, die sich ganz auf den Verkehr konzentrierte. Hübsch war sie, ihre Mom, und Amely fragte sich öfters, warum ihre Mom keine Dates annahm. All die Jahre gab es keinen Mann in Mom Leben und keinen Vater für sie selbst. Das machte sie traurig, aber das wollte sie ihrer Mom nie zeigen, die voller Liebe versuchte stets beides für ihr Kind zu sein. Mutter und Vater. Aber immer öfter merkte Amely, wie traurig sie war, wenn ihre Freundinnen ihr von Unternehmungen mit deren Vätern erzählte. Mom muss Dad sehr geliebt haben dachte sie nun und sprach das auch ohne groß nachzudenken aus. “Du musst Dad sicher sehr geliebt haben!” Lisa sah erstaunt zu ihr hinüber. “Wie kommst du da denn jetzt darauf, Kind?” Amely zuckte mit den Schultern. “Hm,” meinte sie achselzuckend,” nur so . Weil du nie ausgehst.” Lisa strich Amely liebevoll über ihr Haar.” Ich habe doch dich mein Kind. Du bist alles, was ich brauche. Ich liebe dich, mein Schatz!” Amely ergriff die Hand ihrer Mutter. “Ich liebe dich ja auch, Mom!” Beide ahnten nicht, dass dies ihre letzte Unterhaltung sein sollte an diesem verhängnisvollen Tag. Was dann kam, ging so schnell, dass Amely sich später nur noch an ein lautes Hupen, das quietschen der Bremsen und den Schrei ihrer Mutter erinnern würde. Danach wurde alles schwarz um sie herum.