2.Buch über Joey, dem kleinen Engel von Swake Valley

 

Dr. Kevin Evans nimmt, einem indischen Kollegen zuliebe, ein Waisenmädchen aus Indien auf. Ihre Eltern starben bei einem Autounfall, bei dem dieses Mädchen schwer verbrannte. Doch niemand ahnt welches geheimnisvolle Abenteuer mit diesen Kind, wieder mal auf Swake Valley zukommen wird. Wer sind diese Leute, die Rani beobachten? Und wer ist die alte Frau, die immer wieder versucht, mit dem Mädchen in Kontakt zu treten? Ist Rani gar nicht zur Erholung nach Swake Valley geschickt worden, sondern um sie zu verstecken? Und wenn ja, vor wem ? Kann Joey, der kleine Engel von Swake Valley, seine neu gewonnene Freundin beschützen?

 

Strahlend schien die Sonne über die Tannen von Swake Valley und freudig sprangen die Eichhörnchen auf dem längst schon aufgetauten Wald Boden herum. Joey, der auf dem Sofa kniete um besser aus dem Fenster schauen zu können, drehte sich nun zu seinem Bruder herum, der ungeduldig an seinem T-Shirt zog:“ Was ist denn, Jeremy?“ fragte er und hob den etwa zweijährigen Jungen zu sich auf das Sofa hinauf.

Jeremy streckte seinen Finger Richtung Fenster. “ Hörnchen gehen.“ bat er seinen großen Bruder.

Joey musste lachen: “Eichhörnchen heißt das, Jeremy.“

„Heischörnchen.“ lachte Jeremy mit seinem süßen Stimmchen und fing an Faxen zu machen.

Joey sah ihn liebevoll an und kniff ihn dabei leicht in die Wange:“ Du kleiner süßer Clown, Du!“

„ Du Cown.“ lachte Jeremy und machte einen Purzelbaum auf der Couch, bei dem er zu viel Schwung nahm und fast hinunterfiel.

“ Hey, nicht so stürmisch, mein Schatz!“ fing Sandy Ihren Sohn auf, kitzelte und liebkoste ihn gleichzeitig. „Jetzt wird erst Mal zu Mittag gegessen, Dad wird auch gleich da sein.“ Kaum hatte sie das ausgesprochen, hörte sie auch schon wie die Haustüre aufgeschlossen wurde und Kevin betrat das Wohnzimmer. Voller Wohlgefallen schaute er auf seine kleine Familie. Noch vor knapp drei Jahren dachte niemand, dass Joey heute noch unter ihnen weilen würde, da er damals an einem Hirntumor erkrankt war. Nie hätten sie daran geglaubt, die nötigen Ein Hundert Zwanzig Tausend Dollar für die lebensrettende Operation aufbringen zu können. Bis dann Weihnachten 2016 das Wunder ihn Form einer Erbschaft zu ihnen gekommen war. Jeremy lief auf seinen Vater zu: “ Daddy!“ rief er erfreut und Kevin öffnete seine Arme, um ihn aufzufangen.

Dann strich er auch seinem Stiefsohn liebevoll über den Kopf:“ Na, Sportsfreund, alles Okay?“

„Alles okay,“ antwortete Joey und griff zu Blue Paw, seinem Teddybären,“ außer dass Blue Paw ein Auge verloren hat.“ Traurig sah er seinen Bären an.

Nun meldete sich Sandy zu Wort:“Ich werde ihm ein Neues besorgen und annähen, Joey.“ „Danke, Mom“ erwiderte Joy und gemeinsam setzte man sich an den Tisch um das Mittagessen einzunehmen.

Kevin schaute zu seiner Frau: „Ich habe einen Brief von einem Kollegen in Indien bekommen, der in der Usa studiert hat. Es geht um ein kleines Waisenmädchen, das starke Verbrennungen hatte, und nun unter furchtbaren Narben leidet, die in Charlotte operiert werden sollen. Für die Kosten kommt ein Fond auf. Ajit möchte das Mädchen nach der Operation zur Erholung gerne noch ein paar Wochen hierlassen und hat bei mir angefragt, ob ich es aufnehmen könnte.“

Sandy schaute ihren Mann voller Mitleid für das kleine Mädchen an :“Liebling, ich würde mich sehr gerne um dieses Mädchen kümmern, aber würde da nicht ein zu großes Kommunikation Problem bestehen? Wie alt ist die Kleine denn?“

„Rani ist ungefähr in Joeys Alter,“antwortete Kevin,“ und wurde zweisprachig erzogen, spricht also auch englisch. Sie verlor ihre Eltern bei einem Autounfall. Sie überlebte, verbrannte aber schwer.“meinte Kevin traurig. Er fuhr fort:“Gott sei Dank hat sie im Gesicht nicht sehr viel abbekommen, dafür umso mehr an Armen , Rücken, Beine. Durch das Vernarbte kann sie kaum die Arme heben und das möchten die Ärzte hier beheben.“ Mitfühlend sah Sandy ihn an:“Schreibe deinem Freund, dass Rani herzlich eingeladen ist und wir uns auf sie freuen.“

Kevin stand auf und legte seine Arme um seine Frau :“Darum liebe ich dich so, Darling, ich wusste ich kann auf dich zählen!“ Joey schaute erstaunt von Einem zum Anderen. Wow, sie würden Besuch aus Indien bekommen, dachte er aufgeregt, endlich wieder einmal Abwechslung in Swake Valley!

 

Nachdem Kevin wieder in die Praxis gefahren war, rief Sandy Joey zu sich. Sie wollte von ihm wissen ob es ihm recht wäre, dass Rani in sein Zimmer mit einzieht. Ansonsten, würde sie für das Mädchen den Wäscheraum umgestalten . Joey sah sie mit seinen großen Kulleraugen an:“ Sie kann ruhig mit in mein Zimmer einziehen, Mom,“meinte er,“ ich denke alleine in einem fremden Land ist schon schwer genug, und da sollte sie nicht noch alleine in einem Zimmer sein.“

Sandy sah ihren Sohn liebevoll an und gab ihm einen Kuss auf seine Wange:“ Das ist mein Junge,“lächelte sie nicht ohne Stolz,“ ich wusste du würdest so entscheiden.“

Joey jedoch winkte ab: „Ach Mom, das ist doch selbstverständlich für mich.“

Am Nachmittag, besuchte John, der Kevins Vater war und im Nebenhaus wohnte, die Familie. Sandy erzählte ihm beim Kaffee von Rani, dem Mädchen aus Indien. Und auch John, hatte Mitleid mit dem Kind:“ Arme Kleine, gleich beide Elternteile verloren und dann noch so schwer verletzt.Wann wird sie denn ankommen?.“

Sandy sah von ihrem Kaffee auf:“Kevin sagte es wird Anfang Juli werden, bis sie dann aus dem Krankenhaus kann.Wir werden sie aber schon dort besuchen, damit sie sich ein wenig an uns gewöhnen kann.“

John nickte:“ Ja,das ist eine gute Idee.“ Joey gesellte sich zu ihnen und liebevoll begrüßte er seinen Großvater:“ Hallo Poppy, wir bekommen Besuch aus Indien!“ meinte er aufgeregt und umarmte seinen Großvater. John nahm Joey auf seinen Schoss und schaute ihn mit seinen Wasserblauen Augen an:“Ja , mein Junge, Mom hat mir gerade davon erzählt. Klingt spannend!“

„Ja, furchtbar aufregend!“ erwiderte Joey ganz zappelig. „Ich kann es kaum erwarten!“ Sandy musste lachen:“ Du tust ja gerade so, als besuche uns eine Prinzessin.“ Nun musste auch Joey lachen:“ Wer weiß, wer weiß....“

 

Aufgeregt rutschte Joey im Auto hin und her. Bald würde er Sie das erste Mal sehen! Es wird das erste indische Mädchen sein, das er kennenlernen würde. Das war furchtbar aufregend! Zwar hatte er mittlerweile in Swake Valley auch Freunde in seinem Alter gefunden, jedoch wohnte man hier so weit auseinander ,dass man sich kaum zum Spielen traf. Da war eine Freundin im eigenen Haus schon besser! Ob sie mich mögen wird, dachte er nun.Vielleicht mag sie ja keine Jungs! Joey tippte seiner Mutter von hinten auf die Schultern:"Mom, glaubst du, Rani wird mich mögen?"

Sandy musste lachen:"Warum sollte Sie Dich nicht mögen, mein Schatz?" Joey beruhigte sich ein wenig. Ja, dachte er, warum sollte Sie nicht? Nun kümmerte er sich schnell um seinen kleinen Bruder, der auf seinen Schoß wollte, um die Autos zu sehen. So eine lange Fahrt, war doch sehr langweilig für einen Zweijährigen. Nach zwei Stunden jedoch erreichten sie endlich Charlotte. Schnell hatte Kevin die Klinik gefunden, denn es war dasselbe Gebäude wie das, in dem damals Joeys Diagnose erstellt wurde. Sie fanden einen Parkplatz im Schatten und voller Vorfreude, betraten sie nun die Klinik. “Warte Du kurz hier mit den Kindern,” meinte Kevin zu Sandy,” ich gehe mal nachfragen, auf welche Station wir müssen.”

Sandy nickte und nahm Jeremy an die Hand. “Kommt, Kinder, setzen wir uns kurz.” Was die Familie Evans nicht bemerkt hatte, war, dass ihnen ein schwarzer Mercedes den ganzen Weg von Swake Valley bis Charlotte gefolgt war. Und auch der in schwarz gekleidete, fremdländisch wirkende Mann, der draußen, an der Wand lehnend eine Zigarette rauchte, entging ihrer Aufmerksamkeit. Kurz darauf kam Kevin lächelnd auf die Besucherbänke zu, auf denen Sandy mit den Kindern Platz genommen hatte. “Wir müssen zum Aufzug und hinauf in den 5.Stock,” meinte er nun,” dort wartet Dr. Kelly auf uns.” Oben angekommen, gingen sie zum Schwesternzimmer um Bescheid zu geben, dass sie da wären. Die Schwester begrüßte sie freundlich und führte sie in das Büro des Chefarztes, der gleich kommen sollte. Auf dem Weg zum Zimmer sah Sandy sich neugierig um. Die Station war sehr kindgerecht eingerichtet. Helle gelbe Wände, die mit Märchenfiguren bemalt waren. Alles sah freundlich und sauber aus.

Schwester Karen hielt Ihnen nun die Tür auf:” Setzen Sie sich bitte, der Doktor ist noch im Op, müsste aber jeden Moment kommen.” Kevin und Sandy bedankten sich und nahmen Platz. Jeremy, der kurz vorm Einschlafen war, hielt sie auf ihren Schoß. Joey zeigte amüsiert in die Ecke des Zimmers und musste lachen:” Schau mal, Mom, da ist ein Skelett. Hat wohl nichts zu essen bekommen!”

“ Du Scherzbold!” lachte Sandy mit, und zerwühlte liebevoll den Lockenkopf ihres Großen. Alle schauten nun zur Tür, die soeben von Dr. Kelly geöffnet wurde. Der große schlanke Mann trat auf Kevin und Sandy zu und reichte ihnen seine Hand:"Sie sind also die Gasteltern unserer kleinen Rani." begrüßte er sie und bat sie Platz zu nehmen.

Kevin setzte sich in den komfortablen Sessel und schaute lächelnd zu dem Arzt, der Rani operiert hatte :"Ja, Doc, wir sind schon ganz gespannt auf die Kleine."

Sandy stimmte dem zu:"Ja, die ganze Familie freut sich schon darauf, das Mädchen kennenlernen zu dürfen." Sie sah stolz zu Joey hinüber:" Mein Großer möchte sogar sein Zimmer mit ihr teilen!"

Der Arzt schaute zufrieden auf diese Familie, ja, dort würde die kleine Rani bestimmt gut aufgehoben sein, dachte er . Er erhob sich nun aus seinem Bürostuhl:"Na, dann gehen wir die Kleine doch mal besuchen." forderte er sie lächelnd auf. Joey sprang aufgeregt von seinem Stuhl. Endlich! Gleich würde er sie sehen!Das Mädchen aus Indien! Sandy musste ihn Einhalt gebieten, so schnell sauste er aus dem Zimmer:"Hey, hey, hey, wir sind hier in einem Krankenhaus. Nicht so stürmisch, junger Mann!“

Joey bremste ab und sah seine Mutter verlegen an: "Sorry Mom, aber ich bin so aufgeregt." Sandy lächelte ihn an:" Das sind wie doch alle, mein Junge!" Nach dem sie ein paar Schritte den Gang entlang gegangen waren, blieb der Arzt vor der Tür mit der Nummer drei stehen.

"Hier liegt sie," meinte er,"sie ist noch ein wenig schüchtern, aber ich hoffe, dass wird sich legen."Sandy nickte verständnisvoll,während sie aufgeregt die Türklinke herunter drückte.

 

Delih-Indien

Raja sah Ajit mit zusammengekniffenen Augen an. "Und Du glaubst das Mädchen wäre dort sicher?"fragt er ihn nun.

Ajit Khan nickte zustimmend. "Auf jeden Fall Raja, Swake Valley ist ein winzig kleines Kaff in den Wäldern von North Carolina. Dort kann sie keiner kennen."

Raja lief nervös auf und ab."Ich weiß nicht, Ajit, ich habe kein gutes Gefühl. Du weißt was davon abhängt?"

Ajit nahm einen tiefen Zug aus seiner Havanna, und seufzte auf: "Ohja, und wie ich das weiß, Raja."

Raja wehrte den Rauchkringel ab, den Ajit wie extra in seine Richtung gepustet hatte und schaute ihn dabei eindringlich an:"Wir dürfen uns keinen Fehler erlauben, absolut keinen, ist das klar?!" "

„Absolut Klar!"antwortete Ajit und griff zum Telefon.

 

CHARLOTTE USA

Vorsichtig lugte Sandy durch den Türspalt. Denn falls Rani schlafen sollte, wollten sie das Kind nicht wecken und später hereinschauen. Aber das kleine, dunkelhäutige Mädchen, das in dem großen Krankenhausbett ein wenig verloren wirkte, war wach und starrte gedankenverloren an die Zimmerdecke. Als sie nun hörte wie die Tür sich öffnete, zog sie sich schnell die Decke über ihr Gesicht. Das arme Kind, dachte Sandy, sie muss wirklich sehr schüchtern sein.Was sie nicht wissen konnte, Rani hatte einfach nur Angst! Als sie nun alle zusammen ins Zimmer traten, schaute Joey traurig zu seiner Mutter auf. "Warum tut sie das, Mom?" fragte er ein wenig enttäuscht. Sie wollten doch nichts Böses.

Sandy strich ihrem Sohn lächelnd über den Kopf. "Du darfst das nicht persönlich nehmen, Joey, "meinte sie tröstend," für Rani ist alles erst mal neu in diesem Land. Und sie hat ja auch erst ihre Eltern verloren."

Joey verstand. Ja, da hatte Mom natürlich recht. Da mussten sie wohl etwas Geduld auf bringen.

Dr, Kelly trat nun an Ranis Bett und zog ihr sanft die Decke weg. "Rani,"sagte er mit leiser Stimme," deine Gasteltern sind da. Möchtest Du sie nicht begrüßen?"

Kaum hatte er die Worte ausgesprochen, riss Rani ihm die Decke aus der Hand und verschwand nun vollends unter ihr. Sandy und Kevin sahen sich hilflos an. Jeremy, den Sandy auf ihren Arm hielt, wurde quengelig und wollte hinunter. Kaum hatte Sandy ihn abgesetzt,sprang er zu Rani auf das Bett,worauf das Mädchen fürchterlich zu schreien anfing.

"Aaaahh,lasst mich, lasst mich in Ruhe!" schrie sie total verwirrt.

Erschrocken hob Kevin den Kleinen vom Bett und ließ ihn vorerst mal lieber auf seinem Arm. Dr. Kelly sah zu der erschrockenen Sandy hinüber und entschuldigte sich für Ranis Verhalten:"Es tut mir leid, Mrs. Evans, aber ich sagte Ihnen ja, sie ist ziemlich schüchtern." "Mir erscheint sie eher ängstlich,"meinte Kevin,"so, als hätte sie panische Angst vor Irgendwas." Joey schaute von Einem zum Anderen und juckte sich an seinem Näschen. Das tat er immer, wenn er angestrengt nachdachte. Dann drückte er Blue Paw fest an sich, holte tief Luft und ging auf Ranis Bett zu. Sandy wollte ihn zurückhalten, aber Kevin gab ihr ein Zeichen, ihn gehen zu lassen. Joey zog einen Stuhl an das Bett, in dem sich Rani jetzt mit ihrer Decke eine regelrechte Höhle gebaut hatte. Dann legte er einen Finger an seine Lippen, und gab den anderen ein Zeichen nichts zu sagen.

Und dann fing er an auf Rani einzureden."Hallo Rani. Es ist schon ok, wenn du ein wenig Angst hast, in diesem dir fremden Land.Wäre ich jetzt ganz alleine in Indien, ginge es mir sicher auch so."Aber,"fuhr er fort," dafür sind wir ja da, damit du eben nicht alleine bist." Zumindest verebbte jetzt das Geschrei von Rani und da wusste Joey, dass sie ihm zuhörte. Er lächelte seine Mutter an, die ihm aufmunternd zurück lächelte. Und so redete er einfach weiter. "Ich bin Joey,Rani und so alt wie Du. Dann ist da Mom, Kevin mein Stiefvater und mein kleiner Bruder Jeremy. Und wir freuen und alle auf dich. Er nahm nun Blue Paw und legte ihn ganz leise zu Rani aufs Bett. Trotzdem zuckte Rani unter der Decke zusammen."Keine Angst,"sprach darauf Joey zu ihr," das ist Blue Paw,mein Teddy, den möchte ich Dir leihen in der Zeit, die Du bei uns verbringen wirst. Er wird auf dich aufpassen und dir Trost spenden. Und vielleicht macht dir meine Grandma Old Martha ja einen Eigenen. Aber dann müsstest du schon mitkommen." Joey sog tief die Luft ein und sprach dann:"Aber wenn du Blue Paw sehen möchtest, Rani, dann musst du aus dieser Decke rauskommen, ist doch auch bestimmt ganz schlechte Luft dort unten." Alle im Raum hielten nun gespannt die Luft an. Wie würde Rani reagieren? Würde sie unter der Decke herauskommen? Doch nur ein kleiner Arm schnellte unter der Decke hervor und eine kleine Hand packte nach Blue Paw. Doch genau damit hatte Joey gerechnet und hielt das andere Ende von dem Bären fest in seiner Hand. So sehr Rani dort unter der Decke auch murrte und zog, er gab nicht nach !

"Nun stelle dich nicht so an Rani,"meinte er und sprach ihr nochmal gut zu," mach doch diese dumme Decke weg, ich schwöre dir, niemand wird dir etwas antun!"

Unter der Decke war nun ein zartes Stimmchen zu hören: "Wirklich niemand? Versprichst du das?"

Joey atmete auf, sie schien nachzugeben. "Ich schwöre!" sprach er und sah gespannt auf die Bettdecke. Langsam wurschtelte sich ein dunkles Köpfchen aus dieser hervor und Rani sah Joey mit ihren wunderschönen Augen ängstlich an."Da bin ich,"sprach sie,"bekomme ich jetzt den Teddy?"

Joey ließ freudig Blue Paws Tatze los und und lächelte Rani offen an:"Natürlich, ich habe ja gesagt, ich leihe ihn dir!"Rani griff nach Blue Paw und drückte ihn so fest an sich , als hänge ihr Leben davon ab. Vor was hat sie nur so Angst, dachte Kevin erneut und sah lächelnd zu Sandy und dem Doktor. Ihr Joey hatte es mal wieder geschafft, eine Situation zu beruhigen. Joey setzte sich nun auf die Bettkante und strich Rani beruhigend über den Kopf, als diese darauf ängstlich zurück wisch. "Keine Angst,Rani. Ich bin doch jetzt dein Freund. Und meine Eltern auch." Er winkte Kevin und Sandy zu sich, die nun lächelnd an Ranis Bett traten und sie herzlich begrüßten. Verschämt senkte Rani ihre Augen. Diese Leute waren so nett und sie selber vergaß alle ihre Manieren. Sie gab nun beiden die Hand und sprach:"Verzeihen sie mein Verhalten Mr. Und Mrs. Evans, danke dass ich bei Ihnen zu Gast sein werde dürfen."

"Wir freuen uns ebenfalls, meine Kleine, und möchten dir eine schöne Zeit bereiten. Nenne uns ruhig Sandy und Kevin."bot sie dem Mädchen aus Indien an. Dann stellte sie das mitgebrachte Obst auf dem Nachttisch ab. Der Doktor verabschiedete sich nun von ihnen:"Ich lasse sie dann mal alleine mit Rani, damit sie sich bekannt machen können. Ihre Narben heilen gut, und ich denke, in vier Wochen können sie sie abholen." Er nickte ihnen noch kurz zu und verließ dann den Raum.

Sandy setzte sich auf Joeys Stuhl und auch Kevin nahm nun Platz, den mittlerweile eingeschlafenen Jeremy im Arm. Still betrachtete Sandy das dunkelhäutige Mädchen, das dort vor ihr in dem Bett saß und Blue Paw an sich drückte. Selten hatte sie solch ein hübsches Kind gesehen. Das kleine Köpfchen wohlgeformt, wunderschöne,dunkelbraune lockige, zusammengebundene Haare und die ungewöhnlichsten Augen, die sie jemals gesehen hatte.Eine Mischung aus grün, grau und golden. Fast wie ein Edelstein, dachte Sandy nun. Rani ist ein Mischling, hatte Kevin ihr erzählt , was wohl der Grund dafür war, dass Ranis Haar heller als das von anderen indischen Mädchen war. "Hast du irgendwelche Fragen an uns, Rani? Du kannst uns alles fragen was du möchtest und musst nichts fürchten."meinte sie nun lächelnd zu dem Kind.

Rani unterbrach ihre Unterhaltung mit Joy, und lächelte sie offen an: "Danke, Sandy, aber Joey hat mir schon ganz viel erzählt. Von Poppy und Granny, von den Eichhörchen und dem vielen Schnee im Winter. Und von einer Hütte im Wald,die seinem Großvater gehört hatte."

Sandy lächelte und musste, bei der Erwähnung der Hütte, an Sam denken. Guter alter Sam, ohne ihn würde Joey heute wohl nicht mehr am leben sein. Aber sie dachte auch an die schlimme Zeit, als alle ihn für den Mörder seiner Familie hielten und man ihn mied, als hätte er die Pest. Sandy senkte ihre Augen. Armer,armer Sam. Schade, dass wir so wenig Zeit zusammen hatten. Doch jetzt riss sie sich zusammen und aus der Erinnerung. Man hatte ihnen dieses kleine Mädchen anvertraut und dieses war Sandy gleich ans Herz gewachsen. Sie würde alles dafür tun, dass es diesem Mädchen gut ging. "Wir haben nur Jungen Spielsachen zu Hause, Rani,"sprach Sandy nun, "ich möchte dir ein wenig Spielzeug holen. Hast du irgendeinen besonderen Wunsch?"

Rani schaute erstaunt zu Sandy. Diese Frau war wirklich nett und sie musste an ihre Spielsachen zu Hause denken. Ihre Araberstute,der elektrische Mini Van, ihre kleinen Äffchen, Ral und Rala, ihre Dalmatiner. Doch davon, durfte sie auf keinen Fall etwas erzählen, hatte Onkel Ajit gesagt.

Rani seufzte leise und sprach:"Ach, das ist lieb Sandy, aber wir Kinder in Indien, wir spielen einfach mit dem, was uns die Natur gibt,"doch dann hielt sie ihr Blue Paw entgegen,"aber wenn Old Martha mir auch einen Blue Paw machen könnte, dann würde ich mich freuen."schloss sie.

Worauf hin Sandy das Mädchen liebevoll an sich drückte."Das macht Martha sicher gerne für dich mein Kind!" Was ist dieses Kind doch genügsam, dachte Sandy,sowie auch wohlerzogen. Dies bemerkte Sandy an Ranis feiner Art sich zu artikulieren.

Der Nachmittag verlief dann noch ziemlich entspannt, und Rani wurde immer offener gegenüber ihrer Gastfamilie.Und doch täuschte diese Offenheit, denn Rani erzählte von einem Leben, das nicht Ihres war, und das Onkel Ajit ihr eingetrichtert hatte. Sie wusste nur, es sei sehr wichtig für ihr wohlergehen, dass niemand erfuhr, wer sie wirklich war. Aber es gefiel ihr gar nicht, diese netten Menschen anschwindeln zu müssen, und so seufzte sie tief auf, als Sandy und ihre Familie sich jetzt von ihr verabschiedeten. Diese Verabschiedung fiel sehr herzlich aus und man freute sich schon auf ein Wiedersehen.

Nachdem alle das Zimmer verlassen hatten, fiel Rani seufzend zurück in ihr Kissen. Langsam kullerte eine Träne ihre Wangen hinunter und vor Kummer schloss sie ihre Augen. Wenn sie ihre Augen schloss, waren sie noch da und sie konnte sie sehen. Mama. Papa. Nachts kamen sie dann. Diese Alpträume. Die Schreie ihrer Eltern, die vor ihren Augen verbrannten. Dann hörte sie das knistern des Feuers, fühlte diese wahnsinnige Hitze, die erbarmungslos ihren Körper hinauf kroch. Hörte ihre eigenen Schreie. Doch kurz bevor es ihr Gesicht erreichte, hatten die Männer der Feuerwehr sie aus dem brennenden Auto befreit. Dann wusste sie nichts mehr, bis sie im Krankenhaus aufwachte und Onkel Ajits Gesicht sah. Traurig sah der Bruder ihres Vaters sie an, als er ihr dann mitteilen musste, dass ihre Eltern nicht überlebt hatten. Für Rani brach eine Welt zusammen! Sie dachte an das hübsche Gesicht ihrer Mutter und wie sie fröhlich mit ihrem Vater durch die Küche tanzte. Sie waren doch noch so jung! Sie wollten doch noch so viel erleben! Und dann das Schlimmste! Mit ihrem Tod hatte sie auch ihr Brüderchen verloren, das in vier Monaten hätte auf die Welt kommen sollen. Bei diesem Gedanken drehte sich Rani weinend um und verbarg ihr Gesicht im Kopfkissen, das alsbald durchnässt von ihren Tränen war. In dieser Zeit im Krankenhaus reifte Rani um Jahre. Es folgten Wochen mit Therapien, man schickte ihr Psychiater, um das Erlebte besser verarbeiten zu können. Doch vergessen, das wusste Rani, das könnte sie nie! Auch nicht den Tag, als Onkel Ajit mit ernstem Gesicht in ihr Krankenzimmer trat: "Hallo, mein Engel, wie geht es dir?" Rani hatte ihn daraufhin fest umarmt.

Er war doch alles, was sie noch hatte."Wann holst du mich hier raus, Onkel Rajid?" fragte sie den Mann, der sich nun auf ihrer Bettkante niederließ.

Ajit strich ihr lächeln über den Kopf. "Darum bin ich hier mein Kind. Du bist jetzt fast elf Jahre und in den Wochen hier, sehr erwachsen geworden,"sprach er,"darum möchte ich ehrlich zu dir sein." Rani sah ihn fragend an und so fuhr er fort: "Du bist im Moment hier nicht sicher ,Rani. Und du brauchst ein wenig Abstand und Erholung. Ich kenne eine sehr nette Familie in der Heimat deiner Mutter. Leider hatte sie selbst dort keine Verwandtschaft mehr. Ich hatte damals in der Nähe studiert. Diese Leute haben auch zwei Kinder und würden gerne ein paar Monate deine Gasteltern sein."Rani wollte was sagen, doch Ajit legte seinen Finger auf die Lippen und sprach weiter:" Es ist sehr wichtig Rani, dass dort in Swake Valley niemand erfährt, wer deine Eltern waren, oder was für ein Leben ihr gelebt habt." Und dann, gab er ihr eine neue Identität. Wie sie gelebt hatten, die Berufe ihrer Elten und wie der Unfall angeblich geschah."Kannst du das alles behalten , mein Kind?"

Rani fing an zu weinen und meinte schluchzend:"Ja, das kann ich, aber ich möchte lieber zu dir , Onkel Ajit, nicht in ein fremdes Land!"

Ajit drückte das Kind an sich: "Mein Liebling. Nichts lieber würde ich tun, als dich mit zu mir zu nehmen. Aber das kann ich nicht verantworten. Noch nicht. Du musst so weit wie möglich weggebracht werden um einigermaßen sicher zu sein. Und wir dürfen keine Spuren hinterlassen .Und wenn alles vorbei ist mein Kind, dann verspreche ich dir, hole ich dich zu mir und deiner Tante Indira! "

Rani hatte sich gefügt, was sollte sie auch tun. Sie riss sich nun aus der Erinnerung und wischte sich lächelnd die Tränen ab .Sie freute sich auf die Evans und wusste, bei dieser Familie würde sie sich wohl fühlen. Ob sie dort auch sicher war, würde die Zeit zeigen.

 

Swake Valley USA 

 

Joey sprang fröhlich aus dem Auto und zog Rani aufgeregt hinter sich her."So, hier wohnen wir.Herzlich willkommen!" strahlte er sie an. Rani sah sich um und ihr gefiel was sie sah. Das hübsche Haus,umgeben von einem dichten Tannenwald,Wiesen und einem kleinen Fluss. Die Sonne strahlte über Swake Valley an diesem Tag Ende Juli, und Rani konnte sich gut vorstellen wie schön das erst mal im Winter sein musste, wenn alles Weiß glitzerte. Nicht weit weg davon stand das Nachbarhaus, aus dem nun ein älterer Mann winkend auf sie zu lief.

Joey tippte Rani auf die Schulter und zeigte in die Richtung von Johns Haus. "Sie mal, da kommt Poppy um dich zu begrüßen!" Der Rest der Familie Evans war nun auch ausgestiegen und Kevin kümmerte sich um Ranis Gepäck. Sandy trat , mit Jeremy auf dem Arm, zu Joey und seiner neuen Freundin.

"Na, Rani, gefällt es dir?"

"Wundervoll,"antwortet Rani erfreut,"und soviel Grün, herrlich!" Dann hatte auch schon John sie erreicht und gab Rani lächelnd seine Hand, die diese freudig ergriff und herzlichst schüttelte. So blaue Augen wie dieser Mann sie hatte, hatte sie noch niemals vorher gesehen!

"Willkommen, mein Kind,"sprach er sie an," ich wünsche dir eine schöne Zeit bei uns!" "Danke, Mr." bedankte sich Rani, doch John erwiderte darauf lachend:"Ach was, nenne mich doch nicht Mr. .Sag einfach Poppy zu mir, wie die andern Kinder auch."

Rani strahlte zurück. "Gerne!"antwortete sie glücklich.So schlimm war es gar nicht in einem fremden Land, dachte sie, wenn dort so nette Menschen wohnen!

 

Später, nachdem Joey Rani sein Zimmer gezeigt hatte, saßen sie alle gemütlich beim Kaffee und Kuchen. Rani bestaunte die vielen winzigen Marshmallows in ihrem Kakao. Das kannte sie nicht. In Indien tranken sie immer Tee zum Kuchen.

Joey rührte fröhlich seinen Kakao um:"Das schmeckt lecker, probiere mal!"

Das ließ Rani sich nicht zweimal sagen. Vorsichtig nahm sie einen Schluck des heißen Getränkes und schloss genüsslich ihre Augen.

War das lecker! "Es schmeckt herrlich Joey," meinte sie und wusch sich leicht verschämt ihren Kakaoschnurrrbart ab, auf den Joey sie lachend aufmerksam gemacht hatte.

"Kakao Schnurrbart gehört dazu." meinte er jedoch beruhigend zu Rani, als er merkte dass sie sich schämte. Sandy hörte die Kinder lachen und schaute fröhlich in die gemütliche Runde. Wie glücklich konnte sie sich doch schätzen! Dank Sam hatten sie keine Geldsorgen und zwei gesunde Kinder. Einen wundervollen Mann der sie liebte und in seinem Beruf als Arzt aufging.Und dazu noch so warmherzige Schwiegereltern wie Martha und Sam, die sich erst nach fast vierzig Jahren zusammen gefunden haben. Und dieses Glück wollte sie nun für ein paar Wochen mit der kleinen Rani teilen. Voller Sympathie schaute sie zu dem Mädchen, das sich bestens mit ihrem Sohn verstand. Aber sie hatte es auch nicht anders erwartet, denn Joey war ein ganz besonderer Junge, dem schnell alle Herzen zuflogen.So wie damals, als er die ganze Stadt zur Reue bekehrte.

 

Dehli-Indien.

Ajit stand mit gebeugtem Kopf vor dem Grab seines Bruders."Das haben sie dir nicht umsonst angetan,Ishan,"sprach er in die heiße, staubige Luft,die sich über diese letzte Stätte legte,"ich werde sie finden!"

Ajit wischte sich eine Träne aus den Augen und sprach weiter:"Ich habe deine Tochter vorerst in Sicherheit gebracht.Ich hoffe sie denken, Rani sei auch verbrannt, aber wenn ich an die Methoden dieser Drecksbande denke, haben die bestimmt schon heraus bekommen, dass das Kind überlebt hat!" Ajit stellte nun die Vase mit den Blumen ab, die er mitgebracht hatte und verabschiedete sich. "Leb wohl, kleiner Bruder, ich werde dich und deine Frau rächen, das verspreche ich dir!" Langsam und gebrochen drehte er sich um und machte sich auf den Rückweg, in die laute, ihm so verhasste Stadt. Aber hier war sein Leben, hier arbeitete er hart, damit er sich irgendwann, jenseits der lauten Stadt, ein Leben aufbauen konnte, welches sein Bruder ihm schon lange vorlebte.Sein kleiner Bruder. Und doch sein Vorbild. Immer noch, auch, wenn er nun von ihm gegangen war. Wieder überkam ihn diese Wut. Er ballte beide Hände zu Fäusten, als er nun vor der Klinik parkte. Das werdet ihr bereuen, dachte er schmerzvoll, verdammt bereuen!

 

 

SWAKE VALLEY USA

Es war eine sternenklare Nacht in Swake Valley. Sandy lag, die Arme unter dem Kopf gekreuzt, nachdenklich in ihrem Bett. Furchtbar, was dieses Kind mitmachen musste. Erst schämte sich Rani vor ihr, als sie dem Kind erklärte, sie müsste jeden Abend deren Narben einschmieren, damit sie geschmeidig werden würden. Doch Joey hatte wieder auf dieses Kind eingeredet und ihm seine große Narbe an seinem Kopf gezeigt. Er hatte ihr klar gemacht, dass sie doch wüssten, warum Rani diese Narben hat, und sie sie deshalb doch nicht weniger lieb haben würden.Und es wichtig wäre, dass diese Narben gesalbt werden. Als Rani dann nachgab, musste Sandy doch schwer schlucken, als sie sah, was das Feuer ihr verursacht hatte. Bis unter die Achseln hatten die tödlichen Flammen ihr erbarmungsloses Spiel getrieben und die zarte Haut dieses Kindes in einen Ort des Grauens verwandelt. Dick und wulstig zogen diese Narben an der Haut und nur dank der Chirurgen in Charlotte, war es Rani wieder möglich, ihre Arme wieder richtig zu bewegen. Das Kind hatte wahnsinniges Glück gehabt, dass die Flammen nicht noch Hals und Gesicht erreichen konnten. Trug Rani Shirt und Hosen, sah sie aus wie ein ganz normales gesundes Mädchen.